Autonomie im Alltag: Drei kurze Achtsamkeitsübungen

Wie lässt sich radikale Autonomie im Alltag ganz konkret realisieren? Eine mögliche Antwort lautet, immer wieder das je-gegenwärtige Empfinden im Körper zu „kartographieren“. Hierzu drei kurze Impulse:

  1. Folge dem guten Gefühl im Körper

In der Wahrnehmung des Körpers fallen wir aus den systemischen Verwicklungen heraus, in die wir normalerweise verstrickt sind, ohne es all zu recht zu merken. Nur dann, wenn diese Verstrickungen uns wie ein Hamsterrad vorkommen, fallen sie uns negativ auf. Es kann sinnvoll sein, von Zeit zu Zeit (und sei es nur beim Warten an der Ampel) zu fragen: Wo in meinem Körper fühlt es sich gerade (einigermaßen) gut an? Wo fühle ich mich am lebendigsten? Manchmal ist eine solche Stelle unscheinbarer, als erwartet. Wenn Sie eine solche Stelle im Körper finden, beobachten Sie sie. Manchmal beginnt sie, zu wandern. Folgen Sie dem guten Gefühl im Körper. Erst taucht es als ein kribbelndes Gefühl in den Fußzehen auf, eine halbe Minute später als Kühle auf der Stirn und nach kurzer Zeit als Entspannung im Bauchbereich. Folgen Sie der Lebendigkeit einfach, für eine Weile. Finden Sie sie immer wieder neu.

2. Begrüße Muskelanspannungen

Eine paradoxe Art, um mit Verspannungen umzugehen, ist es, die muskuläre Empfindung des Angespanntseins zu begrüßen. Finden Sie eine Stelle im Körper, die angespannt ist. Erkunden Sie sie mit Ihrer Aufmerksamkeit. Wo genau hat sie ihre stärkste Spannung? Gehen Sie dabei vor wie ein Wissenschaftler, der alles genau erforscht und systematisch jeden kleinen Körperbereich katalogisiert. Dann stellen Sie sich vor, Sie würden diese Stelle genau so anspannen wollen, wie die Anspannung sich anfühlt. Lassen Sie den Gedanken „Ich will diese Stelle genau so anspannen, wie die Anspannung sich gerade anfühlt! Ich will das! “ zu der Stelle hin“rieseln“. Und dann versuchen Sie, willentlich genau die Art von Anspannung zu erzeugen, die ohnehin schon da ist. Wie reagieren Ihre Muskeln darauf?

3. Beobachte das körperliche Hintergrundempfinden bei kreisenden Gedanken

Wenn Sie bestimmte Gedanken quälen, die immer und immer wieder auf dieselbe Art und Weise in Ihrem Kopf kreisen, finden Sie das körperliche Hintergrundempfinden, das zu diesen Gedanken gehört. Fragen Sie sich dazu: Wo in meinem Körper gibt es eine Empfindung, die sich so anfühlt, wie diese Gedanken? Dann erforschen Sie diese Empfindung minutiös; tauchen Sie gewissermaßen mitten in sie ein. Gehen Sie auch hier vor, wie ein Wissenschaftler, der einfach alles ganz genau zu erforschen versucht, oder wie ein Kartograph, der die körperliche Textur der Empfindung skizzieren will. Achten Sie dabei darauf, dass Sie wirklich Ihr körperliches Erleben beobachten. Also so etwas wie Kribbeln im Bauch, das Gefühl des Kloßes im Hals oder eine nervöse Unruhe in den Beinen. Beobachte das Empfinden so lange, bis es sich zu verändern oder aufzulösen beginnt.

(Beitragsbild: Weltkarte von Fra Mauro, 1459, Quelle: Wikipedia)

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