Meditieren = Sein

Im Grunde genommen ist es ganz einfach. Einfach sitzen. Einfach sein. Einfach da sein. Mehr nicht. Körperlich. Atmen. Selbst diese Worte, die ich hier aufschreibe, sind zu viel. Kompliziert wird es erst, wenn ich beginne, übers Meditieren nachzudenken.

Deshalb sollte ich das vielleicht nicht tun. Nicht nachdenken, übers Meditieren. Aber ein Gefühl sagt mir, dass das auch nicht richtig wäre. So lange ich über all dem Nachdenken nicht das Meditieren selbst vergesse, lohnt es sich auch, darüber nachzudenken. Beides ist unabhängig voneinander wertvoll.

Denke ich übers Meditieren nach (ich meditiere nicht oft), so fällt mir auf, dass das Atmen viel mit Heideggers Sein zu tun haben könnte. „Die verfallene Flucht in das Zuhause der Öffentlichkeit ist Flucht vor dem Unzuhause, das heißt der Unheimlichkeit, die im Dasein als geworfenen, ihm selbst in seinem Sein überantworteten In-der-Welt-sein liegt.“ (Sein und Zeit, S. 189).

Meditieren ist uns irgendwie unheimlich. (Sein wir doch mal ehrlich.) Denn es gibt darin nichts, woran wir uns festhalten können. Der Atem ist in jedem Augenblick anders. Nichts ist beständig. Und doch ist uns das In-der-Welt-Sein noch unheimlicher. Denn wenn wir uns an weltlichen Dingen festklammern , Pläne schmieden, ToDo-Listen schreiben und CashFlows berechnen, fördern wir unsere eigene Seinsvergessenheit, taumeln immer tiefer in die Weltverfallenheit hinein, ohne gegensteuern zu können. Das macht existentielle Angst. Meditieren hilft da. Einfach atmen.

Meditieren ist dann sozusagen (wenn ich meiner und zugleich Gendlins und zugleich Heideggers These folge, dass die Trennung von Umwelt und Körper nur eine gedankliche ist) dasselbe, wie in einem Tal Steine unter meinem Körper zu fühlen. Es ist dasselbe, wie in einem See zu schwimmen und die Feuchtigkeit zu spüren. Es ist dasselbe, wie die Sonne auf die geschlossenen Augen fallen zu lassen und die Wärme zu spüren. Unser Körper ist auch Materie, genau wie Steine, Sonne und Feuchtigkeit. Ob ich die nun wahrnehme oder meine eigene, sich bewegende Körpermaterie, ist gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass ich in diesem Augenblick keine ToDo-Liste schreibe oder abarbeite.

Vielleicht kann ich, wenn ich übers Meditieren nachdenke, grundsätzlich nur Gedanken darüber formulieren, was es nicht ist. – Vielleicht ist das Nachdenken übers Meditieren grundsätzlich assymetrisch. Meditieren ist nicht das Berechnen von CashFlows. Aber es ist auch nicht das Gegenteil davon. Es ist einfach nur das, was es ist.

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