Roland Stein: Grundwissen Verhaltensstörungen (Darin: Eine komplexe Sicht von Verhaltensstörungen)

Drei Zitate zum Thema Interaktion und Prozess:

„Dabei ist zu bedenken, dass die ins Zentrum des Modells gestellte Interaktion in einem stetigen Prozess abläuft. Eine gegenwärtige Aktualgenese birgt Aspekte des Geschehens, die später, vielleicht einige Jahre danach, als ontogenetische Wirkfaktoren zu beschreiben wären. So können gegenwärtige belastende Bedingungen im Lebensfeld eines Kindes […], wenn sie anhalten, einen problematischen Einfluss auf dessen Persönlichkeit entfalten und waren in der Zukunft als – dann ontogenetische – Erziehungs- und Sozialisationsbedingungen zu betrachten […]. Dies gilt analog für nachhaltige Etikettierungs- und Stigmatisierungsprozesse […], welche gerade als längerfristige Einflüsse eine (dann ontogenetisch relevante) Veränderung von Identität und Persönlichkeit […] nach sich ziehen können.“ (S. 73)

„Das Interaktionsgeschehen, welches das Modell beschreibt, muss insofern im Grunde auch immer in den Rahmen eines stetig voranlaufenden Prozesses gesetzt werden.“ (S. 73)

„HOFMANN & FREITAG (vgl. 2018) diskutieren eine solche dynamisch-prozessbezogene Weiterentwicklung des interaktionistischen Modells von Verhaltensstörungen. Sie plädieren dabei jedoch dafür, die Interaktion ganz direkt ins Zentrum zu stellen. Von dort aus gesehen gäbe es aus ihrer Sicht dann drei Kernrelationen: Interaktion – Person, Interaktion – Umwelt sowie Interaktion – Beobachter. Neben Ontogenese und Aktualgenese betrachten sie Aspekte der Salutogenese. Die Frage gelingender Interaktionsprozesse als Ziel pädagogischer Arbeit steht dabei im Fokus, wobei im Hinblick auf die Entstehung von Störungen auch Pathogenese von Bedeutung ist.“ (S. 73)

Grundwissen Verhaltensstörungen – von Roland Stein – 6., neu überarbeitete Auflage – Schneider Verlag Hohengehren GmbH

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