Johannes Wiltschko: Ist „der Prozess“ zielorientiert?

Einige interessante Zitate:

Zwischen Felt Sense und Symbol besteht keine Gleichung, sondern eine sehr interessante Beziehung, die Gendlin „carrying forward“ genannt hat […]. S.29
“Prozess“ ist ja ein richtigies „Joker-Wort“, das für alles Mögliche herhalten muss. Besonders dann, wenn man nicht genau versteht, worum es geht, ist das Wort „Prozess“ schnell bei der Hand. S.29
Ein Prozess findet nur jetzt, nur in der unmittelbaren Gegenwart statt. S.29
In diesem Jetzt, im jeweiligen Moment, geht eine Bewegung, eine Veränderung vor sich – oft unscheinbar, leicht zu übersehen. Was verändert sich? Es verändert sich, meist subtil, manchmal heftig und schlagartig, das Erleben, das was in mir vorgeht und zugleich immer auch interagiert mit meiner unmittelbaren Umwelt: als subtiles Wechselspiel zwischen „innen“ und „außen“, manchmal als Handlung, als Verhalten bemerkbar, häufig eher als wechselseitige Resonanz. S.29
Diese Veränderung benennen wir mit einem möglichst neutralen Wort und nennen sie „einen Schritt“ (a step, a shift). Er geschieht – jetzt. Woanders geschieht er nicht. S.30
Jedes „sein“ impliziert ein Nächstes. Oder, etwas poetisch ausgedrückt: In jedem Sein liegt schon sein Werden. S.30
Dieses Implizieren hat eine Richtung. […] Man spürt, wenn die Richtung stimmt. Dieses Spüren könnte man mit „herzaufgehend“, „sich lebendiger fühlen“, „sich mehr ich fühlen“, „sich erleichtert fühlen“ etc. beschreiben. S.30
Der Körper verstanden im Gendlischen Sinn, ist lösungsorientiert! S.30
Einen Schritt, so wie ich ihn hier meine, kann man nicht machen. Aber man kann Bedingungen schaffen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass er kommt. S.31
Jeder Prozess geschieht immer in einer (inter- und/oder intrapersonalen) Beziehung. Jede Beziehung ist immer ein Prozess. Das eine gibt es nicht ohne das andere. S.31
Die Hälfte meiner Aufmerksamkeit bleibt bei mir, ich bin auch innerlich achtsam und bemerke, wie das, was aus der Klientenperson sozusagen herauskommt, zu mir herüberkommt, und was es in mir bewirkt, welche gespürte Resonanz es in mir hervorruft. Es ist eine Fifty-Fifty-Position meiner Achtsamkeit: 50 Prozent äußerlich, auf den Klienten gerichtet, 50 Prozent innerlich auf mein Erleben gerichtet. S.31
Beziehung ist: Wir beide sind in einer Situation. Wir konstituieren sie und verändern sie fortwährend und werden von ihr fortwährend verändert. Was jeder von uns erlebt, ist diese gemeinsame Situation. So gesehen müssen wir Beziehung nicht herstellen, nicht aufbauen. Wir brauchen bloß zu bemerken, zu spüren, dass wir schon in Beziehung sind – vom ersten Augenblick an! S.31
Die Praxis wäre einfacher, wenn sie nicht verstellt wäre durch zu viele Konzepte. Nicht die Konzepte sind schlecht, sondern das von ihnen Verstelltwerden. S.32

Ist „der Prozess“ zielorientiert? Essentials aus der focusingtherapeutischen Praxis – von Johannes Wiltschko – Focusing Journal Heft 42/2019

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