Buchempfehlung: Am Beispiel meines Bruders (Uwe Timm)

„Die Vätergeneration, die Tätergeneration, lebte vom Erzählen oder vom Verschweigen. Nur diese zwei Möglichkeiten schien es zu geben, entweder ständig davon zu reden oder gar nicht. Je nachdem, wie bedrückend, wie verstörend die Erinnerungen empfunden wurden.

Die Frauen und Alten erzählten von den Bombennächten in der Heimat. Das Fürchterliche wurde damit in Details aufgelöst, wurde verständlich gemacht, domestiziert. Es löste sich beim gemütlichen Zusammensein in Anekdoten auf, und nur sehr selten, urplötzlich, brach das Entsetzen hervor.“

(S. 99)

„So geht es Tag für Tag weiter. Der Hintergrund der lakonischen Eintragungen läßt sich fast nie aufhellen, ihn, den Bruder, nicht sichtbar werden, seine Ängste, Freude, das, was ihn bewegt hat, Schmerzen, nicht einmal Körperliches wird angesprochen, er klagt nicht, registriert nur.“

(S. 141)

„Das Erstaunliche an der Lektüre von Ernst Jüngers In Stahlgewittern, und wohl auch Faszinierende, ist, daß sich darin ein Bewußtsein ausspricht, dem Todesmus, Pflicht, Opfer noch absolute Werte sind, nicht nur soziale Richtlinien, sondern Werte, die im gemeinsamen Kampf den Nihilismus transzendieren sollten.“

(S. 149)

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