Buchempfehlung: Die Stimmen von Marrakesch. (Elias Canetti)

„Ich habe begriffen, welche Verführung in diesem Leben liegt, das alles auf die einfachste Art von Wiederholung reduziert. Wieviel oder wie wenig Abwechslung war denn in der Tätigkeit der Handwerker, die ich in ihren kleinen Gelassen arbeiten sah? Im Feilschen der Händler? In den Schritten der Tänzer? In den unzähligen Tassen Pfefferminztees, die alle Gäste hier zu sich nehmen? Wieviel Abwechslung ist im Geld? Wieviel im Hunger?

Ich habe begriffen, was diese blinden Bettler wirklich sind: die Heiligen der Wiederholung. Aus ihrem Leben ist das meiste ausgemerzt, was sich für uns der Wiederholung noch entzieht. Es gibt die Stelle, an der sie hocken oder stehen. Es gibt den unveränderlichen Ruf. Es gibt die begrenzte Anzahl von Münzen, auf die sie hoffen können, drei oder vier verschiedene Einheiten. Es gibt zwar auch die Geber, die verschieden sind, aber blinde sehen diese nicht und in ihrem Dankspruch sorgen sie dafür, dass auch die Geber Gleiche werden.“

(S. 25/26)

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