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Buchbesprechung: „Wir nennen es Arbeit“ von Holm Friebe und Sascha Lobo

Ein Buch zum Thema Selbstständigkeit, Internet, Arbeit und Gesellschaft.

Es ist 2006 fertig gestellt worden, und 2008 nochmal überarbeitet worden. Dennoch ist es noch (einigermaßen) aktuell. Das ist, bedenkt man den rasanten Wandel, der in diesem Feld vonstatten geht, nicht selbstverständlich.

Was habe ich gelernt? Die für mich wichtigsten Thesen und Erkenntnisse:

1. Es hat sich was getan. IKEA ist jetzt in der Mittelschicht angekommen und die Mittelschicht ist jetzt im IKEA-Feeling zu Hause.

2. Arbeit im Angestelltendasein hat nicht unbedingt viel damit zu tun, seine eigenen Potentiale voll auszuschöpfen und erzeugt auch ein Lebensgefühl von Angst vor der Rückkehr aus dem „System“ heraus.

3. Aufmerksamkeit als Währung: der google-Pagerank ist das Maß aller Dinge.

4. Die neue Strategie der digitalen Boheme: Vernetzung, „Respekt“ und die Erhöhung der Rückkopplungswahrscheinlichkeit sind eine gute Lebensversicherung fürs Alter.

5. Ernste Hobbys: mach das, was Du tust, mit ganzer Seele. Egal, ob es Geld einbringt. Wenn Du es nur halbherzig machst – lass es!

6. Als Projekte getarnte Brotjobs nie mit eigenen Projekten verwechseln.

7. Kapitalismus heißt nicht „dummer“, gleichgeschalteter Massenkonsum, sondern: die Aufmerksamkeit und das Geld fließt immer dahin, wo sich Widerstand gegen den „dummen“ Konsum bildet. Auch Spezialgebiete bekommen mehr Raum. Es gilt eben nicht mehr die 80/20-Regel, sondern auch feinste Nischen werden bedient.

8. Die Grille, die den Sommer über faul war, füttert (vielleicht) irgendwann mal die Ameisen, die Bausparverträge abgeschlossen haben und fleißig waren.

9. Virtuelles Arbeiten erzeugt eine Abkoppelung vom räumlichen Gebundensein einerseits, aber dennoch: place does matter. Wo ist es gut zu leben und zugleich zu arbeiten? Dort entstehen Synergiezentren.

10. Die Autoren formulieren eine Vision: Deutschland im Jahr 2020 ist „ein bisschen Hippie, aber mit viel High-Tech“ (S. 281).

 

Ich stimme den Autoren auch zu, dass diese ganze eher positiv getönte Sichtweise auf flexibles Leben und Arbeiten eine Kehrseite hat: mit 75 lässt sich nicht mehr von der Hand in den Mund leben. Es braucht, bei aller Flexibilität, auch Sicherheit. Die Frage für mich ist: wo genau?
Wir nennen es Arbeit: Die digitale Boheme oder: Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung. Heyne-Verlag (2008).

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