Tagebucheintrag

Der Point of no Return

Wir alle kennen ihn: diesen kleinen Moment, in dem sich etwas verändert. Meist geht ihm eine eher unangenehme Phase voraus, in der man vielleicht nicht genau weiß, was man will. In der man ein Gefühl in sich trägt, dass das, was man bisher wusste, nicht mehr stimmt und doch hat man keine Idee, wie es anders sein könnte. Dieses Gefühl ist manchmal kaum auszuhalten – wir laufen davor weg, wollen es nicht spüren. Es ist ein Gefühl von „jetzt weiß ich gar nichts mehr“, ungewiss und irgendwie „grässlich“. Und doch wird sich nur dann etwas verändern, wenn wir dieses Gefühl anerkennen.

Was es dazu braucht, ist Freiraum. Wenn wir in diesem Gefühl versinken, wenn es uns überwältigt und einhüllt, verändert sich gar nichts. Dann geraten wir mit jedem neuen Nachdenken nur immer tiefer in die Sackgasse hinein. Wenn wir es jedoch irgendwie schaffen, einen kleinen Moment lang mal durchzuatmen, einen sicheren Standpunkt zu finden, der außerhalb des Gefühls liegt, dann passiert plötzlich etwas. Dann „sind“ wir auf einmal nicht mehr das Gefühl, sondern treten dazu in Beziehung. Hier bin ich, und dort ist das Gefühl. Und dann kommt ein kleiner, unscheinbarer Gedanke, oder ein Handlungsimpuls, oder eine vage Idee oder irgendetwas ganz anderes von irgendwoher aus unserem Inneren zu uns und weist uns einen neuen Weg.

Spannend bei diesem Veränderungsprozess ist, dass er nur in eine Richtung läuft. Wenn wir den Punkt, an dem das Neue auftaucht, erst einmal überschritten haben, können wir nicht mehr zurückkehren. Sobald das Neue erstmal da ist, krempelt es uns von innen her um. Dann geht es nur noch vorwärts, ins (meist) Ungewisse, denn es ist auf einmal klar und spürbar, dass das Alte keinen Sinn mehr macht. Der Point of no Return ist überschritten, und auch wenn wir nicht wissen, wohin uns der Weg führen wird, drängt etwas in uns immer weiter vorwärts.

Vielleicht befinden Sie sich bei einem bestimmten Thema, das Sie beschäftigt, gerade an solch einem Punkt. Atmen Sie mal durch, und versuchen Sie, das Gefühl von außen, aus einer „neutralen“ Sichtweise anzuschauen. Versuchen Sie, das Gefühl, das zu diesem Thema in Ihnen aufkommt, „als Ganzes“ zu sehen, von außen, ohne darin zu versinken. Überlegen Sie, von wo aus sich dieses Gefühl gut anschauen lässt… vielleicht müssen Sie nur den Standort wechseln. Und vielleicht bekommen Sie auch Lust, ganz woanders hinzuschauen. Vielleicht entdecken Sie dabei noch mehr, was Sie interessiert und was Sie lebendig macht. Halten Sie die Augen auf!

One Comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.