Behutsam führen

Was erkenne ich im Verschenken des Hungers, wenn ich es aus Sicht des Kontakthaltens betrachte?

Dass der Hunger nicht beliebig ist. Es ist nicht ein alter, unerfüllter Hunger, der aus der Kindheit übrig geblieben ist. Dieser Hunger könnte von meinem Gegenüber auch gar nicht erfüllt werden. Es ist vielmehr ein spezifischer Hunger, einer, der so spezifisch ist, dass er nur von meinem Gegenüber erfüllt werden kann. Mit jedem Menschen lässt sich ein anderer Hunger stillen. Dabei entsteht etwas Neues. Es wird in die Welt gebracht und war so noch nie da. Es gibt für diese Art von Erfüllung keine Vorbilder – jede Erfüllung ist neu und anders. Es ist auch nicht möglich, zurück zu gehen in die Vergangenheit und Erfüllungen oder Befriedigungen, die früher stattgefunden haben, zu reproduzieren. Denn wir sind nicht mehr dieselben, wie früher. Selbst wenn wir wollten, könnten wir nicht das Selbe wiederauferstehen lassen. Das Verschenken des Hungers meint also auch, Erwartungen loszulassen, wie es sein soll. Und selbst Erwartungen dafür, was geschehen soll. Ich meine in meinem Hunger diesen Menschen, und nur diesen, jetzt. Was ich verschenke, ist der Hunger, der im Kontakt entsteht, frisch. Er reicht meinem Gegenüber die Hand, er führt behutsam und sagt: Bitte mach es so.

 

Ein Gedanke zu „Behutsam führen

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