Das Licht eines erloschenen Sterns

Drei Zitate von Eva Illouz:

„Eine weitere, große Veränderung betrifft die Bedeutung von Sexualität. Sie ist fast zum zentralen Merkmal von guten Liebesbeziehungen geworden. Liebe erwächst heute aus sexuellen Handlungen – und nicht umgekehrt.“

„Ich finde, die Psychologie macht den Fehler, soziale Probleme zu privatisieren. So beschäftigt sich eine riesige therapeutische Industrie mit Symptomen, die politische Ursachen haben.“

„Die Liebe ist wie das Licht eines erloschenen Sterns, der ja am Himmel strahlt, obwohl er lange nicht mehr existiert. Als Utopie ist Liebe stärker denn je. Zwar werden heute die vielfältigsten sexuellen Praktiken oder Konstellationen toleriert, doch die Vorstellung, wie ein erfülltes Leben auszusehen hat, ist normiert: als Zweierbeziehung mit Kindern. Viele wissen nur nicht mehr, wie das zu erreichen ist. Darauf basiert meiner Meinung nach der Erfolg von ‚Fifty Shades of Grey‘. In der sadomasochistischen Beziehung der Protagonisten gibt es feste Regeln, die sie befolgen und so schließlich zur Liebe finden.“

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/interview-mit-eva-illouz-warum-haben-die-menschen-immer-weniger-sex/24376458.html

Im Anschluss an die Gedanken von Eva Illouz kam mir der Gedanke, dass die Romantische Liebe, die ja als ein Phänomen beschrieben wird, was im symbolischen (d.h. zwischenmenschlichen) Raum existiert, eigentlich auch körperlich verortbar sein müsste. Wie fühlt sich dieses Erleben an? Als ein Strömen, ein Gefühl von Verbundenheit und Daseinkönnen mit dem anderen. Oder anders gesagt: Ein richtig gutes körperliches Gefühl, das immer dann auftaucht, wenn der andere da ist. Es fühlt sich einfach besser an, wenn der andere da ist, als wenn er nicht da ist. Ich meine damit nicht Erotik und auch nicht Verliebtsein, sondern einfach ein gutes, angenehmes, aber zugleich auch wenig spektakuläres Empfinden im Brust- und Bauchraum. Vielleicht ist dieses angenehme körperliche Empfinden schon alles, die Basis quasi, für das, was wir in unserer Kultur, in den Geschichten und Erzählungen, die wir weben, romantische Liebe nennen.

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