Tagebucheintrag

Weihnachts-Emotionen

Eine Freundin hat mir kurz vor Weihnachten einen kleinen Artikel weitergeleitet, ich habe ihn unten rein kopiert. Ich bin wohl eine dieser darin beschriebenen sensiblen Seelen. Von Jahr zu Jahr fällt es mir schwerer, innerlich “mitzumachen” bei Weihnachten… dieses Jahr hat mich eine heftige Grippe (noch nicht klar, ob Corona) völlig ausgeknockt.

Ich empfinde, wenn ich über Weihnachten nachdenke, mitunter extrem aversive Emotionen. Ich frage mich… bin ich der einzige, dem es so geht? Tief in meinem Herzen ist da so eine Bitterkeit spürbar, Traurigkeit auch, wenn ich ehrlich bin. Weil ich das Gefühl habe, dass die Menschen etwas nicht sehen… etwas, was sich zutiefst falsch anfühlt. Auch ich selbst kann es nicht richtig greifen, aber ich fühle es sicher und deutlich, “at the bottom of my heart”.

Es ist bisschen so wie im Märchen “Des Kaisers neue Kleider”… würde die Bitterkeit sprechen können, würde sie vielleicht sagen: Alle machen mit, alle machen (in gewisser Weise) dasselbe. Sieht denn keiner, dass da etwas ganz und gar nicht stimmt, nicht richtig ist, wie wir das machen?

Mein “Weihnachten” findet immer schon am Tag der Wintersonnenwende statt. Da spüre ich eine Veränderung in der Natur (eigentlich auch an den Tagen drum herum)… das ist für mich das Eigentliche, das Wesentliche. Es fühlt sich auf natürliche Weise heilig an. Wenn ich das wahrnehme, dann fühle ich mich connected. Das ist der Ort und die Zeit der Besinnlichkeit und des Übergangs. Da ist das Licht.

An Weihnachten selbst… fühle ich das nicht. Nichts davon. Im Gegenteil. Ich fühle mich mehr und mehr wie ein Außerirdischer, der herab schaut auf diesen Planeten, und der sich wundert, dass die machtvollste Spezies des Planeten, der Mensch, sich das Recht herausnimmt, Bäume abzuschlagen, um sie für ein bis zwei Wochen in einer Behausung bunt behangen vertrocknen zu lassen. Dass er diesen ursprünglich heiligen Naturmoment zum Anlass nimmt, sich mit Geschenken zu überhäufen, was (für mich) ein Ausdruck ist von weiterer Ressourcenübernutzung. Ganz ehrlich? Ich könnte kotzen!

Weihnachten spiegelt mir so eine tiefe Sinn-losigkeit wider: Wenn die Besinnlichkeit in der restlichen Zeit des Jahres nicht da ist, brauche ich sie auch an Weihnachten (bzw. zur Wintersonnenwende) nicht zu zelebrieren. Denn dann ist es nur eine Pseudo-Besinnlichkeit, die nicht echt ist. Das Empfinden von Demut, das innerliche Niederknien vor den Prozessen des Lebens… das ist eine Haltung, die in den Alltag gehört und nicht nur an drei Tage kurz vor Jahreswechsel.

Was für mich geht, ist: Einander entspannt treffen, gern auch zusammen mal etwas Gutes essen, maßvoll. Geschenke, wenn überhaupt, dann minimalistisch. Aber, wenn ich ganz ehrlich bin: Lieber keine Geschenke. Kein Baum. Lasst uns die drei freien Tage entkoppeln von der “heiligen Scheiße”, die sich so unglaublich weit von dem ursprünglichen Naturphänomen der Wintersonnenwende entkoppelt hat. Bitte lasst uns aufhören mit diesem Mist.

Schaue ich noch ein bisschen tiefer, dann merke ich, dass da noch mehr ist. Viel mehr. Das Ganze hat auch etwas mit meinem Verhältnis zum Christentum zu tun. Ich finde es falsch, ein Narrativ zu reproduzieren, das sagt: Da wurde jemand geboren, der war total liebevoll mit allen Menschen und Lebewesen, und damit hat er echt viele Leute erreicht. Aber wir haben ihn am Ende gekillt, weil er zu gefährlich wurde. Und weil wir ihn so lieb haben, und uns das so leid tut, feiern wir ihn jetzt seit 2000 Jahren als Märtyrer, der für uns gestorben ist.

Nein. Auch das will ich nicht. Diese ganze Story. Es fühlt sich einfach nur durch und durch falsch an. Das zu explizieren braucht aber einen eigenen Tagebucheintrag. Oder ein ganzes Buch.

Vielleicht verletzt dieser Artikel einige Leserinnen und Leser. Ich muss die Worte aber irgendwo hinterlassen, und dies hier ist mein (öffentliches) Tagebuch. Ich hoffe einfach, dass ihr ihn so nehmen könnt. Vielleicht ist er einfach nur der Ausdruck meiner eigenen Verletztheit.

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