Tagebucheintrag

Lösungsorientierung im Alltagstest: das Schrittchen-für-Schrittchen-Prinzip

Ich hab es am Wochenende tatsächlich erlebt. Das mit den kleinen Einzel-Schrittchen funktioniert. Wenn der Karren im Dreck steckt, kommt man, mit Unterstützung, in kleinen Schrittchen trotzdem ans Ziel. Der Karren war in diesem Fall mein roter Bus. Er war auf einer Wiese festgefahren. Im Schlamm, auf einer schiefen Ebene. Nicht gut. Das Ziel: wir bringen Dich da raus. Das hat eine meiner tatkräftigen Unterstützerinnen genau so formuliert. Und wir haben es geschafft. Nach einer guten Stunde war der Bus wieder frei. Das Beste dabei: dafür brauchte es nicht den ADAC. Sechs Hände und ein kluger Kopf haben es auch so geschafft.

Ich möchte die Strategien benennen, die dabei klug kombiniert zum Einsatz kamen, um das Ziel zu erreichen. Natürlich hätten wir auch stundenlang analysieren können, welche Umstände es waren, die den Wagen dorthin gebracht haben. Das ist ja manchmal ganz sinnvoll. Vor allem dann, wenn es unsichtbare Fesseln gibt, die verhindern, dass man loskommt. Aber solche Fesseln gab es in unserem Fall nicht. Ich hab einfach einem Traktorfahrer Platz gemacht, der vorbei wollte. Bin im Trockenen auf die Wiese neben dem Weg gefahren und dort gleich zum Parken stehen geblieben. So einfach ist das. Was jedoch hat herausgeführt? Darum soll es in den folgenden Punkten gehen. Wenn in Ihrem Leben zur Zeit irgendein Karren im Dreck stecken sollte, können Sie innerlich mitdenken und überlegen, was das im übertragenen Sinn für Sie bedeuten könnte!

1. (Auf-)Schaukeln. Leicht Gasgeben, dann wieder zurückrollen lassen, wieder Gas geben, wieder zurück rollen lassen und so weiter. Das hat schonmal ein paar Zentimeter gebracht. Bei kleineren Problemen kann das schon helfen, um wieder in die Gänge zu kommen. Bei uns gestern war das leider nicht so.

Wie können Sie Schwung holen?

2. Den Rückfall systematisch blockieren. Diese Funktion übernahm ein dickes Kantholz, das jemand schnell unter das Wagenrad gelegt hat, bevor es zurück rollen konnte. Wieder ein paar Zentimeter gewonnen. Immerhin. Aber es hat noch nicht gereicht. Das hilft nur, wenn man immer wieder ein wenig vorwärts kommt und nicht irgendwann auf der Stelle durchdreht.

Wie verhindern Sie einen Rückfall?

3. Den Weg pflastern. Das war bei uns eine wirklich sehr gute Strategie gestern. Alte Betonplatten, sorgsam vor den Reifen platziert, geben eben mehr Grip als nasses Gras auf durchgeweichtem Boden.

Auf welcher Art von Wegplatten geht es sich leichter?

4. Zwischenstationen sichern. Unser kluger Denker hatte die Idee, den Bus immer, wenn er voran gekommen war, wieder ein wenig zurück rollen zu lassen, und auf einem großem Holzscheit zum Stehen zu bringen. Da stand er sicher und leicht erhöht. Und es war möglich, die Betonplatten, die bereits überfahren waren, von hinten nach vorne zu legen, um damit einen weiteren Weg zu bahnen. Somit konnte der Bus aus leicht erhöhter Position auf sicheren Weg abrollen und hatte es damit nicht so schwer. Sehr genial.

Welche Plateaus können Sie nutzen, um Pause zu machen und leicht wieder in Gang zu kommen?

5. Blockaden wegreißen. Der große Holzscheit hat dem Bus Halt gegeben. Er war das Plateau, auf dem Zwischenstände gesichert wurden. Dummerweise hätte er für das Hinterrad (angesichts der nassen Grassituation) eine unüberwindbare Blockade dargestellt. Unser Denker hatte die Idee, eine Schnur mit einem Nagel daran zu befestigen. Sobald der Bus ein Stück gefahren war, hat er den Holzscheit ruckartig aus der Bahn gerissen, um den Weg auch fürs Hinterrad frei zu machen.

Welche Dinge, die ihnen bisher den Weg geebnet haben, blockieren Sie jetzt?

6. Zurück zum festen Grund. Direkt neben der Wiese lief der Weg entlang. Das Zwischenziel war also, erstmal wieder zurück zum Schotter zu kommen. Und dann von da aus zur Straße. Schotter greift nun mal mehr als Gras.

Welche halbbefestigten Schotterpfade gibt es, die Sie zunächst ansteuern könnten?

7. Um Hilfe bitten. Die beiden Männer, die mit dem Hund vorbei kamen, haben zwar anfangs etwas gebrummelt, nachdem sie eine meiner Unterstützerinnen freundlich um Hilfe gebeten hatte. „Wo man reinfährt muss man auch selbst wieder rauskommen,“ meinte einer der beiden. Da hat er theoretisch wohl Recht. Praktisch wohl nicht. Denn manchmal kann man es sich nicht aussuchen oder alle Konsequenzen bedenken. Nach einem kurzen Augenblick sagten sie jedoch: „An uns soll’s nicht liegen.“ Ja, zehn Hände schieben eben besser als sechs.

Wen könnten Sie um tatkräftige Hilfe bitten?

 

Ja, wie gesagt: wir haben es geschafft. Ich hatte so meine Zweifel. Irgendwann jedoch war der Bus auf Schotter, hatte Grip, irgendjemand rief von hinten laut „Gib Gas!“ und das tat ich. Mit großem Geholper und Gestockel erreichte ich die Straße. Bleibt mir noch, ein großes Dankeschön auszusprechen! Und darüber zu staunen, welch ein Vertrauen und Zuversicht unser kluger Kopf hatte.

Wichtig ist mir bei all dem noch: die Karren-Metapher passt nicht so ganz. Denn der Karren war gar kein Karren, sondern ein Bus. Busse haben selbst Kraft, Karren nicht. Wenn man ihnen mit den richtigen Steinen den Weg pflastert und sie ein wenig anschiebt, fahren Sie von selbst wieder. Denn das Fahren macht ihnen von Natur aus Spaß. Nun gut, nicht dem Bus. Aber dem Fahrer. 🙂

Worauf haben Sie Lust? Wohin wollen Sie fahren? Welches Ziel gibt Ihnen ihre eigene Kraft zurück?

 

 

 

One Comment

  • Anke

    Eine fabelhafte Geschichte und ein großartiges Gleichnis! Danke! Es erinnert mich an eine Situation, die ich vor einigen Jahren in der Schweiz erlebte: Wir (ein Demeter-Bauer, seine Frau, sein Sohn und ich) mussten eine echte große schwere Kuh, die direkt nach dem Kalben nicht mehr aufstehen wollte, ans andere Ende des Stalls transportieren. Wie sollte das gehen? Wir hatten eine Art Hoyer-Lifter (kannte ich aus meinem Praktikum in einer Seniorenpflege-Einrichtung) vom Nachbarbauern zur Verfühung, sowie eine Art handbetriebenen mit kleinen Rollen versehenen Gabelstapler – also keinen Motor, alles mit Menschenkraft „betrieben“! Es hat Stunden gedauert …, einmal wäre ich fast unter der zur Seite wegkippenden Kuh gelandet, weil ich auf äußerst glitschiger Kuhscheiße ausgerutscht bin. Die Bäurin hat sich bei dieser Rettet-die-Kuh-Aktion ein Riesen-Hämatom am Schienbein geholt, das sie mit gepressten Beinwellblättern in wenigen Tagen heilen konnte. Und: Wir haben es geschafft! Die Kuh wurde danach dreimal von einer Kuh-Osteopathin behandelt, denn sie hatte sich offenbar beim Gebären das Becken verkantet. Und als sie schließlich wieder auf den Beinen war, haben wir gejubelt … Wie kann man daraus nun ein Problemlöse-Konzept stricken? …

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