Tagebucheintrag

Ein völlig anderes Lebensgefühl

Zu meinem 13. Geburtstag bekam ich von meinen Eltern einen Amiga 500 geschenkt. Beziehungsweise – ich zahlte die Hälfte von meinem lange angesparten Taschengeld und die andere Hälfte bekam ich geschenkt.

In den letzten Wochen schaue ich auf Youtube Dokus über alte 8- und 16-Bit-Computer und versuche auch auf einem RASPI entsprechende Emulatoren laufen zu lassen. Irgend etwas fasziniert mich total an dieser Zeit, Ende der 80er und Anfang der 90er. Eben habe ich eine Doku gesehen über die Entwicklung des Amiga. Was mir gar nicht bewusst war bisher, ist, wie bahnbrechend diese Technologie damals war. Für mich als Jugendlicher war das quasi der Standard, in den ich hineingeboren wurde. Ich bin sozusagen ein Multicolor-, Multikanalsound- Native.

Wenn man sich jedoch diese Geschichte anschaut, dann findet man ein Entwickler-Team, das bei der ersten Messe, auf der der Rechner vorgestellt wurde, sogar noch auf dem Messestand nachts Verbesserungen vornahm. Man findet eine Szene von jungen Menschen, die sich einige Zeit später, als das Gerät auf dem Markt ist, mit “Demos” Jahr für Jahr übertrumpfen. Menschen, die aus der bestehenden Hardware immer mehr herauskitzeln, bis an die letzten Grenzen gehen.

Wenn ich an meinen Amiga denke, dann empfinde ich ein helles, schönes, aufregendes Gefühl. Ein Gefühl der Kreativität. Mir wird beim Schauen dieser Doku bewusst, dass es wohl nicht nur mir so ging. Dass das Gerät selbst dieses Grundgefühl in sich trug. Irgendwie war es wohl in die Schaltkreise mit eingebaut. Genauso wie diese ganzen Menschen, die Spiele entwickelt habe, Grafiken gezeichnet haben und den Soundtracker mit Samples gefüllt haben, habe auch ich mich gefühlt. Das Erleben, das ich damals beim Spielen und Austesten dieser Maschine bekam, trage ich heute als sichere Ressource in mir.

Es ist ein Gefühl grenzenloser Möglichkeiten. Irgendwie kommt es mir immer ganz merkwürdig vor, dass es diese Firma nicht mehr gibt. Sie ist so ganz anders, als alles, was derzeit auf dem Markt für Homecomputer (was man ja heute gar nicht mehr so nennt) existiert. Es ist ein völlig anderes Lebensgefühl.

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