Buchempfehlung: Die Zunge (Lea Singer)

Die Livrierten legen Voltaire Truthahn nach und kauend sagt der Alte, während er in Alexandres Augen sieht: „Die nächste Geliebte hat mich dafür alles gekostet, aber kein Geld.“
„Wie das?“
„Sie wollte mich nicht“, sagte er. „Und das hat mir stilistisch viel eingebracht. Unfreiwilliger Verzicht, das bringt einen Autor ungemein weiter.“
(S. 92)

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Wie früher auf den Gängen mit Rétif läßt Grimod sich treiben durch die Stadt, die sich verändert hat wie eine Frau nach einer gescheiterten Liebe. Eine, die von dem Mann, den sie begehrte, in eine Ehe geflohen ist mit einem, der sie sofort verbiedert hat. Sie riecht anders, sie benimmt sich anders, klingt anders, als würde sie ihre laszive Vergangenheit am liebsten verleugnen.
(S. 294)

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Hungersnöte entwerten auch Tizian und Rembrandt.
(S. 331)

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„Schmeckt wäßrig“, sagt Aze.
„Die haben sie viel zu schnell und auf zu hoher Flamme gekocht. Eine Bouillabaisse muß auf einem kleinen Feuer köcheln“, brummt Grimod.
„Würdest du das denen netterweise mitteilen? Früher haben sie es gekonnt.“
„Und jetzt sparen sie wohl an Zeit. Und daran darf ein Koch niemals sparen.“
(S. 356)

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Es gibt sieben Dinge, deren kein Mensch überdrüssig wird: freudlich gereichtes Brot, frisches Wasser, gutes Lammfleisch, weiche Kleider, lieblichen Duft, ein bequemes Bett und der Anblick all dessen, was schön ist.
(S. 375)

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