Eugene T. Gendlin: Ein Prozess-Modell. (VIII-A g Zusatz zu Kapitel VIII-A.f und ein kurzer Ausblick)

Es entsteht ein neues Selbst, das nicht mehr so eng, nicht mehr so fest strukturiert ist, wie das vorherige, das „alte“ Selbst. Das neue Selbst ist umfassender, es evolviert mit der Veränderung der Situation.

Es reicht nicht aus, im VIIIer-Raum zu bleiben (also in der „Offenheit“, die im Kapitel VIII beschrieben wird), sondern es ist auch notwendig, von diesem Gespür ausgehend Symbolisierungen durchzuführen, Handlungsschritte entstehen zu lassen usw. – mein Gespür „kreuzt“ sich dabei sozusagen in meine Lebenswelt hinein. Der Direkte Referent verfestigt sich.

Focusing ist somit Kulturbildung. Der VIIer Raum ist „voll“: Die Rollen, die unsere Kultur uns bietet, reichen nicht aus, um auf eine stimmige Art weiterleben zu können. Ein Vorantragen, das die ganze Komplexität der Situation hält, geht über Rollenvorstellungen hinaus – ein extremer Grad an Differenzierung wird möglich.

Der Übergang in den VIIIer-Raum kann überall erfolgen: An jedem Wort, jedem Ausdruck, jeder Handlung, jedem Bild, jeder Wahrnehmung. Ich kann immer und jederzeit innehalten und bedenken, was ist: „Welcher gefühlte Bedeutungshof steckt da drinnen?“

Kurzer Ausblick: Experienzielle Kommunikation ist ein „gemeinsames Focussieren“. Damit gehe ich in meiner eigenen Arbeit ein Stück über Gendlins Kapitel VIII-A (auch über die Idee der „Dianaden“) hinaus.

Danke fürs Zuhören!

2 Gedanken zu „Eugene T. Gendlin: Ein Prozess-Modell. (VIII-A g Zusatz zu Kapitel VIII-A.f und ein kurzer Ausblick)

  1. Karl Lindenbauer Antworten

    Lieber Herr Hofmann,
    ich bin an das Ende ihrer Aufnahmen gekommen und greife noch einmal ihren Aufruf zu einer Rückmeldung auf: Ich sehe mehr als einen graduellen Unterschied zwischen VII und VIII. Für mich ist es ein Sprung in eine neue Welt – der allerdings evolutionär oder gesellschaftlich langsam, man könnte sagen graduell vor sich geht. Zu Bedenken ist dabei, dass Gendlin ganz am Anfang des Kapitels VIII endet (vgl. Tanz in VII). Ebene VII hat sich über mindestens zig-Jahrtausende entwickelt, man kann diese“fertige“ Entwicklung nicht mit dem Beginn einer neuen vergleichen. Focusing muss mit den ersten tierischen Gesten verglichen werden. Da ist der Unterschied schon enorm.
    Liebe Grüße Karl Lindenbauer

  2. Tony Autor des BeitragesAntworten

    Lieber Herr Lindenbauer,

    danke für Ihren Kommentar und vor allem auch dafür, all meine Audios so konsequent durchgehört zu haben!
    Ja, das ist spannend,… Vielleicht stimmt beides. Dass es ein quantitativer Unterschied ist (zwischen VII und VIII) und zugleich ein qualitativer in Ihrem Sinne. Das, was Sie schreiben über den „enormen Unterschied“, kann ich nämlich auch voll und ganz nachvollziehen.
    Ich teile auch Ihre Idee eines neuerlichen (sozialen) Kipp-Punkts, die Sie im letzten Focusing-Journal entwickelt haben. Ein Kippen, das aber sehr viel Zeit brauchen wird und tatsächlich vermutlich graduell vorangeht, ähnlich wie das Kippen von VI nach VII.

    Lassen Sie uns bei Gelegenheit mal persönlich darüber reden. 🙂

    Liebe Grüße
    Tony Hofmann

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