Eugene T. Gendlin: Ein Prozess-Modell. (VII-A o Schematische Begriffe)

Verwoben:
Es gibt Sequenzen, die im Implizieren da sind, aber nicht geschehen. Kontext ist dabei ein „Gewebe“ aus impliziten Sequenzen, welche die eine tatsächlich geschehende Sequenz vorantragen.

Gehalten:
Die entscheidende Grenze ist (prozesshaft gedacht) nicht die Grenze zwischen Person und Umwelt (also an der Hautlinie) zu suchen, sondern sie wird bestimmt von der Frage, welche impliziten Sequenzen an einem konkreten Geschehen partizipieren und welche nicht. Diese können dann (räumlich gedacht) sowohl im Organismus, als auch in der Umwelt lokalisiert sein. Es gibt somit also implizite Sequenzen, die nicht partizipieren – diese Sequenzen lassen sich als „gehalten“ bezeichnen.

Gesetz der Explikation I:
Es kommt immer mehr, und anderes, als das, was erwartet wird. Implizite Sequenzen liegen nicht „in einem dunklen Reservoir gespeichert“ und werden (auf irgendeine Weise) „aufgedeckt“, sondern sie sind bereits im Geschehen da. Geschehen und Implizieren sind ein einziges Ereignis. Es gibt eine Art von „eingebauter Schöpferkraft“ in allem, was es gibt.

Gesetz der Explikation II:
Es können gehaltene oder neue Sequenzen ins Partizipieren im Implizieren „hereingeholt“ werden, d.h. sie werden plötzlich relevant. Das kontextuelle Gewebe (partizipierend / nicht partizipierend) kann sich also jederzeit verändern.

Direktes Vorantragen:
Eine Sequenz geschieht, und damit trägt sie ihr „eigenes“ Implizieren voran (bzw. wird von ihm vorangetragen).

Indirektes Vorantragen:
Implizit funktionierende (also dem Geschehen eigentlich „fremde“) Sequenzen werden durch eine geschehende Sequenz vorangetragen, solange sie partizipierend sind.

Nicht Vorantragen:
Gehaltene Sequenzen werden nicht vorangetragen.

Rekonstituieren:
Die Symbolisierung von Verhaltenskontexten rekonstituiert diese Kontexte – wir leben in ihnen, indem wir sie symbolisieren. Sie sind in den Gesten, die sie wiedererschaffen, „echt“ und wirklich da: Wenn ich die Kampfgeste mache, dann bin ich im Kampf-Verhaltenskontext. Gesten haben Macht.

Offen bleibt die Frage, wie symbolisierte Kontexte als etwas Überdauerndes situationsübergreifend „mitgenommen“ werden können (deshalb werden z.B. Werkzeuge auf dieser Stufe von den frühen Menschen noch am Kampfplatz liegen gelassen und nicht mit nach Hause genommen). Dies ist eine Frage von Sprache – Wie sich Kultur, Gesetze, Kunst, Bücher, Worte, die wir zueinander sagen usw. als ein symbolischer Raum verfestigt und sicher konstituiert – mit dieser Frage beschäftigt sich Kapitel VII-B.

Ein weiterer Nebengedanke: Die Explikationsgesetze sind relevant für die Ressourcenaktivierung in der Psychotherapie. Was brauchen wir für ein Geschehen, das gehaltene Sequenzen partizipieren lässt?

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