Eugene T. Gendlin: Ein Prozess-Modell. (VII-A f Eine neue Art des Vorantragens [Selbstbewusstsein])

Selbstbewusstsein ist im konventionellen (psychologischen) Denken ein Bewusstsein meiner Selbst im Sinne von Selbstbeobachtung: Ich lenke den Blick auf mich und gewinne Informationen.

Selbstbewusstsein ist im Prozessdenken hingegen ein Fühlen des Körperbewusstseins, ein Fühlen des (Körper-) Fühlens. Der Körper ist in einer Verhaltenssequenz in Interaktion mit seinen Umweltgegebenheiten unmittelbar verwoben. Fühlen [1. Stufe] ist dabei eine Verzahnung von offenen Körperprozessen und Umwelt. Das Fühlen des Fühlens [2. Stufe] ist nun ein Halten dieses Fühlens [1. Stufe].

Selbstbewusstsein ist also ein Fühlen des Fühlens, worum es geht. Selbstbewusstsein ist nicht „neutral“ oder abgekoppelt von Lebensprozessen. Es gibt keinen sense of self ohne das prozesshafte Verstricktsein in Körper-Umwelt-Interaktionen. Die Umwelt ist in diesem speziellen Fall ein anderes Lebewesen der eigenen Spezies – beide tragen sich wechselseitig voran, indem sie tanzen. Sie nehmen wahr, dass sie sich wahrnehmen. Dieser symbolische Tanz brachte (evolutionär gedacht) den Magische Moment hervor, in dem sich Lebewesen zum ersten Mal „intuitiv“ ihrer selbst gewahr wurden: „Ah, es gibt mich!

Ganz ähnlich hat dies auch Martin Buber formuliert: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“

 

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