Eugene T. Gendlin: Ein Prozess-Modell. (VI-A Verhalten und Wahrnehmung; a Verhalten)

Verhalten ist beschreibbar als das Zusammenspiel von

  • zyklischen (vor-sich-gehenden, funktional geschlossenen, in sich runden, erfüllbaren, befriedigbaren,…) Körperprozessen,
  • offenen Körperprozessen, welche aufgrund eines Prozessstopps in eine Art von unbefriedigten, unrunden, offenen „Suchmodus“ übergewechselt sind (Trial-and-Error; Sequenz derjenigen Schritte, die gerade so noch möglich sind; Abtasten der Umwelt; „offene Gestalt“, …) und
  • von beiden Prozessarten geteilten Umweltfacetten, in denen die laufenden Körperprozesse und die offenen Körperprozesse jeweils partizipieren.

Der entscheidende Punkt ist, dass offene Prozesse immer eine erhöhte Sensibilität mit sich bringen. Wenn etwas nicht so weiter geht, wie es impliziert ist, wird der Organismus sehr viel zerbrechlicher und zugleich auch sensibler, als wenn alles „rund“ läuft. Diese erhöhte Sensibilität der offenen Prozesse gilt nicht nur den „üblichen“ Umweltfacetten, sondern sie ist grundlegend und gilt allgemein für alle Richtungen, und damit auch für die zyklisch weiterlaufenden Körperprozesse. Der Körper ist damit nun in der Lage, sich sozusagen selbst zu registrieren! Die aus dem Registrieren resultierenden Veränderungen können in einer Feedbackschleife (über Interaffizieren und über die gemeinsam-geteilte Umwelt) zurückwirken in die laufenden Körperprozesse, um dort neue Veränderungen hervorzurufen, welche dann a) wiederum von den offenen Körperprozessen erneut registriert werden können, welche b) auch in der gemeinsam-geteilten Umwelt Veränderungen hervorrufen können, welche ihrerseits auf den Körper zurückwirken usw.. Damit wurde ein völlig neuer Typ von Prozess in Gang gesetzt, der mehr Freiheitsgrade aufweist. Er unterscheidet sich deutlich von den „alten“, schlichten, zyklisch weiterlaufenden Prozessen.

Das „kreative“ interaktive Zusammenspiel aus zyklischen Prozessen, offenen Prozessen und von beiden Prozessarten gemeinsam-geteilter Umwelt ist für Gendlin Verhalten: „Der Körper verändert sich selbst und bewegt sich selbst durch diese Veränderungen“ (S. 198). Die neu entstandene Möglichkeit des Organismus, Verhaltensprozesse hervorzubringen, erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der gestoppte Prozess sich auf andere, neue Weise fortsetzen kann. (vgl. „Adaptivität“)

Ein Gedanke zu „Eugene T. Gendlin: Ein Prozess-Modell. (VI-A Verhalten und Wahrnehmung; a Verhalten)

  1. Pingback: Eugene T. Gendlin: Ein Prozess-Modell | Dr. Tony Hofmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.